Wenn die Familie wächst – Gedanken werdender Großeltern

Ulla Ludewig

1. Mai 2025

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Gelesen von der Autorin des Beitrags Ulla Ludewig

Portraitfoto von Ulla Ludewig

Wir erwarten Nachwuchs! Also nicht mein Mann und ich direkt, aber unser Sohn und seine Frau erwarten ihr erstes Kind. Und damit auch unser erstes Enkelkind.

Und natürlich nehmen die Gedanken an das kleine Wesen mit jeder in der in der Familiengruppe geteilten Ultraschall – Aufnahme, mit jedem Bericht über die zunehmenden Rückenschmerzen der werdenden Mutter und dem süßen (noch leeren) Fotoalbum für Oma und Opa (das dann später noch gefüllt werden muss mit „unserem Enkelkind“) immer mehr Gestalt an.

Kürzlich kam die Frage auf: „Habt ihr eigentlich noch Babyfotos von eurem Sohn?“

Und natürlich lagen sie gut sortiert und mit Monatsangabe versehen (und fast vergessen) in einer Kiste. Natürlich konnte ich dem Impuls nicht widerstehen, alle zum Teil fast identischen Fotos nochmal anzuschauen: die ersten Besucher, die das Baby halten wollen, die Großeltern, die voll Rührung auf das Enkelkind schauen und natürlich jede Menge Fotos des Babys beim Füttern, beim Wickeln, beim Baden, beim Schlafen – und sofort war das tiefe Glücksgefühl wieder spürbar, das damals alles dominierte. Und erstaunlicherweise erinnert man sich offenbar an dieses Glücksgefühl viel eher als an die Einschränkungen, die Belastungen, die schlaflosen Nächte oder vollgespuckte Kleidung.

Jetzt freuen wir uns darauf, unseren Sohn in seiner neuen Rolle als Vater zu erleben und zu sehen, wie Nähe, Zuwendung und Zärtlichkeit weitergelebt werden.  Beide werdenden Eltern nehmen Elternzeit – was für ein Geschenk! Zeit, um in Ruhe anzukommen in einer völlig neuen Welt, die bald bestimmt wird von Stillrhythmen, Wickelzeiten, Spontanplänen und kurzen Nächten.

Als Großeltern sind wir zum jetzigen Zeitpunkt noch eher nicht gefragt

 – obwohl wir natürlich aus unserem reichen Erfahrungsschatz sicher vieles beizusteuern hätten. Aber wir erinnern uns dann glücklicherweise daran zurück, dass wir unsere eigenen Vorstellungen von Schwangerschaft, Entbindung und dem neuen Leben als junge Familie hatten und wir diese eigenen Vorstellungen nicht diskutieren oder gar noch gegen vermeintlich „besseres Wissen“ verteidigen mussten.

Dennoch misst man Neues auch immer an den eigenen Erfahrungen und so frage ich mich jetzt, wie wohl mein Schwiegervater seinen Sohn mit neuen Augen gesehen hat. Das Bild der „neuen“ Väter war geprägt davon, sich in das  Leben mit dem Neugeborenen und insbesondere die Versorgung des Säuglings aktiv einzubringen. Für frühere Generationen war das aufgrund von strikten Rollenvorstellungen nicht möglich. Ich erinnere mich, dass mir althergebrachte Glaubenssätze wie der, dass man nicht auf das Schreien des Babys reagieren solle, damit man es nicht „verwöhnt“, glücklicherweise erspart blieben. Ich hoffe, dass auch wir Zurückhaltung üben können und werden, wenn die jungen Eltern anders agieren als wir es gewöhnt sind. Ohnehin ist es herausfordernd genug für die beiden Elternteile, sich über ihre jeweilige Haltung in Sachen Erziehung zu verständigen. Jedes Familiensystem folgt eigenen Gesetzen und die daraus resultierenden Vorstellungen können voneinander abweichen.

Zwei Menschen wachsen gerade in eine komplett neue Lebenssituation hinein. 

Sie werden Entscheidungen treffen, ihren eigenen Stil finden, und gerade heute, wo Zeit oft knapp und Druck allgegenwärtig ist, braucht es Mut zur eigenen Linie. Wir werden unseren Sohn und seine Frau fragen, was sie für sich und ihre kleine Familie von uns brauchen.

Vielleicht sind wir dann als Großeltern gefragt, Mut zu machen, zu unterstützen, Beistand zu leisten und Entlastung zu schaffen?

Dafür wären wir als Großeltern sehr zu haben!

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