Als Vater von zwei Kindern im Alter von 7 und 10, im Management eines IT-Dienstleisters und als Vorstand der Familiengenossenschaft erlebe ich täglich, wie Kooperation funktioniert. Gleichzeitig zeigt sich meines Erachtens in unserer Gesellschaft immer noch eine Kluft zwischen fortschreitendem individuellem Wandel und festgefügten Rollenmustern. Die klassische Verteilung Mann/Frau ist noch immer verankert – auch wenn sich Lebensentwürfe und Familienmodelle verändern.
„Das hältst du keine zwei Wochen aus“ – über gesellschaftliche Doppelmoral
Meine Entscheidung, für unser älteres Kind Elternzeit zu nehmen (1 Jahr und 2 Monate), gefolgt von weiteren zwei Monaten für unser jüngeres Kind war auch eine Reaktion auf diese Kluft. Ich wollte die Karriere meiner Frau unterstützen und gleichzeitig als Familie neue Ordnungen erproben. Und ganz ehrlich: Man bekommt in der Gesellschaft zwei gegensätzliche Narrative:
- In Richtung der Väter: „Boah, den ganzen Tag zu Hause? Das hältst du doch keine zwei Wochen aus!“, gefolgt von der Bemerkung, dass die Karriere dann schwieriger werde bzw. am Ende ist.“
- In Richtung der Mütter heißt es jedoch: „Oh – wie schön. Genieß die Zeit. Die Arbeit kann warten.“
- Die gleiche Entscheidung, die gleiche Verantwortung! Diese Kluft macht Veränderung mühsam, aber nicht unmöglich.
Elternzeit als Brücke zur Gleichberechtigung
Aus meiner Sicht ist der Wandel möglich, wenn Unternehmen, Institutionen und die Gesellschaft insgesamt klare Vorbilder setzen: flexible Modelle, offene Kommunikation und eine Kultur des gemeinsamen Gestaltens.
Elternzeit kann eine Brücke sein: Sie ermöglicht Gleichberechtigung in der Praxis, zeigt das Kinderbetreuung kein nachrangiger Luxus ist, sondern eine Investition in langfristige Stabilität und Leistungsfähigkeit. Gleichwertige Vater- und Mutterrollen, Vater und Vater- oder Mutter und Mutter-Rollen sollten nicht Ausnahme, sondern Standard sein. Das stärkt Individuen, Familien und Organisationen.
Wandel als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Ich bin froh in Unternehmen arbeiten zu dürfen, wo all das bereits gelebte und gefühlte Praxis ist. Der Wandel der Vaterrolle ist jedoch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – kein individuelles Experiment. Es gilt Räume zu schaffen, in denen Väter und Mütter gleichermaßen auftanken, gestalten und wachsen können. Dann wird die Doppelrolle nicht länger eine Belastung, sondern eine Chance für Kultur, Gemeinschaft und nachhaltige Entwicklung.
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