Freiräume gewinnen in herausfordernden Zeiten

Christin Steinbach

1. August 2026

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Gelesen von der Autorin des Beitrags Christin Steinbach

Portraitfoto von Christin Steinbach


Freiräume gewinnen in herausfordernden Zeiten – wie du dich bei der Unterstützung eines pflegebedürftigen Angehörigen nicht selbst verlierst.

Es fängt klein an: der wöchentliche Einkauf, gelegentlich die Fenster putzen, mal nach dem Rechten sehen. Das läuft nebenbei – auch mit Vollzeitjob und Kindern.

Doch schleichend wird es mehr. Aufgaben stapeln sich, eine nach der anderen. So leise, dass du gar nicht merkst, wann das Zu-viel erreicht ist. Bis der Körper streikt. Bis das Umfeld nach Aufmerksamkeit schreit. Erst dann wird klar: Die Last ist zu groß geworden.

Dabei muss es nicht so weit kommen. Es gibt Wege, rechtzeitig gegenzusteuern und Zeit für dich zurückzugewinnen. Wir zeigen dir, wie.

1. Die Familiengenossenschaft: Der Mensch an deiner Seite

Dein Arbeitgeber möchte dich nicht allein lassen, gerade dann nicht, wenn sich Pflege und Beruf überlagern. Nutze unsere Beratung vorsorglich oder dann, wenn der Pflegefall bereits eingetreten ist. Kompetente Begleitung spart dir Zeit, Kraft und vor allem Nerven bei der Navigation durch das Labyrinth der Pflegeversicherung.

Unsere Fachberaterinnen sind für dich da, wenn …

  • du dich präventiv informieren möchtest, um gut vorbereitet zu sein,
  • ein Pflegefall in der Familie plötzlich aufgetreten ist und du nicht weißt, wo du anfangen sollst,
  • du dich schon lange um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmerst und endlich Entlastung brauchst.

Hier geht`s zur Terminbuchung.

2. Beginne frühzeitig, für Entlastung zu sorgen

Denk auch an dich. Pflege trägt sich dauerhaft nur, wenn du dich selbst nicht vergisst. Also sorge mehr für dich selbst. Das ist keine Schwäche, sondern eine Notwendigkeit. 

Kleine Auszeiten: regelmäßig und fest eingeplant

Setze Grenzen. Nimm dir feste wöchentliche Auszeiten. Organisiere für diese Zeit eine Vertretung, zum Beispiel jemand aus dem Bekanntenkreis, ein*e Nachbarschaftshelfer*in oder ein professioneller Betreuungsdienst. Welche Lösung passt, hängt von der individuellen Pflegesituation und dem Angebot vor Ort ab. Für die Abrechnung mit der Pflegekasse stehen dir der Entlastungsbetrag und Sachleistungsbudgets zur Verfügung.

Längere Auszeiten: Urlaub will geplant sein

Stundenweise Entlastung ist wichtig. Aber manchmal reicht sie nicht. Längere Pausen sind entscheidend, um wirklich Kraft zu tanken. Plane deinen Urlaub frühzeitig. Dann bleibt genug Zeit, die Versorgung zu organisieren.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Reha für pflegende Angehörige
  • Urlaubsreise ohne den Pflegebedürftigen
  • Urlaubsreise gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen

Wer die Versorgung während deiner Abwesenheit übernimmt, hängt vom Hilfebedarf ab. Bei geringen Bedarfen kann die Familie einspringen. Ist das nicht möglich, helfen ein ambulanter Pflegedienst oder eine Tagespflege. Bei hohem Hilfebedarf – besonders nachts – ist eine Kurzzeitpflegeeinrichtung die sicherste Wahl. Bei einer Reha für pflegende Angehörige gibt es diese häufig direkt im Nachbargebäude.

Gemeinsam verreisen, nicht ohne Vorbereitung

Wer mit seinem pflegebedürftigen Angehörigen verreisen möchte, sollte gut planen. Der Organisationsaufwand ist hoch. Übernimmst du die Pflege auch im Urlaub selbst, ist der Erholungseffekt gering.

Eine echte Alternative bieten spezialisierte Reiseveranstalter. Sie organisieren und begleiten Reisen für Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung – teils mit 1:1-Betreuung, sodass eine Reise auch ohne pflegenden Angehörigen möglich ist, wie bei Urlaub & Pflege e. V. Die AWO SANO Ferienstätten bieten an drei Standorten ein Angebot für Paare: Demenzkranke Angehörige werden in einer Kleingruppe betreut, während du gemeinsam mit anderen Angehörigen Ausflüge machst und durchatmen kannst.

Für was du dich auch entscheidest, die Pflegekasse unterstützt dich finanziell dabei. Ab Pflegegrad 2 können die Kosten über das Jahresbudget für Verhinderungspflege bzw. Kurzzeitpflege mit der Pflegekasse abgerechnet werden.

3. Weniger arbeiten, mehr da sein: Freistellungen gezielt nutzen

Gerade in Notfällen stehen Angehörige vor einer schwierigen Wahl: unbezahlt freinehmen, Urlaubstage opfern oder krankmelden. Keine guten Optionen.

Zum Glück gibt es eine bessere: die kurzzeitige Arbeitsverhinderung. Sie greift bei plötzlichen Verschlechterungen oder nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn die Versorgung wie bisher nicht mehr ausreicht. Du kannst dich bis zu 10 Arbeitstage freistellen lassen, um die Pflege neu zu organisieren. Als Lohnersatz erhältst du das Pflegeunterstützungsgeld.

Pflege- und Familienpflegezeit: Wenn du dich ganz der Pflege widmen möchtest

Du möchtest mehr Zeit. Du willst dich eine Weile vollständig der Pflege widmen. Auch das ist möglich.

Über das Pflegezeit- oder Familienpflegezeitgesetz hast du zwei Optionen:

  • Bis zu 6 Monate vollständige Freistellung
  • Bis zu 24 Monate Freistellung in Teilzeit

Die genaue Ausgestaltung vereinbarst du individuell mit deinem Arbeitgeber. Wichtig zu wissen: In dieser Zeit erhältst du nur das Gehalt, das du tatsächlich erarbeitest. Eine Lohnersatzleistung der Pflegekassen gibt es hier nicht.

Wir sind da.

Egal, in welcher Phase du dich gerade befindest, unsere Fachberaterinnen sind für dich da. Du musst das nicht allein stemmen. Bei der Familiengenossenschaft findest du ein offenes Ohr, kompetente Ansprechpartner*innen und echten Support.

Unsere Empfehlung

In unseren Beratungsgesprächen nehmen wir uns Zeit und helfen dir, deine Gedanken zu ordnen und tragfähige Lösungen für die Pflege deines Familienmitglieds zu finden.